Berichte, Glossen, Reportagen

Ob Reportagen, Kolumnen oder Terminjournalismus - sprechen Sie mich gerne an. Nachfolgend finden Sie einige Textproben.

Reise-Reportage

"Die Landschaft dampft vom Regen auf dem warmen Boden, der Himmel ist noch wolkenverhangen - eine Stimmung wie diese passt treffend zu dem Ort, der einmal war und den es nicht mehr gibt: Billmuthausen in Thüringen. Ein geschleiftes Dorf. Es ist unter Umständen neues Vokabular, das Reisende lernen, wenn sie auf der ehemaligen innerdeutschen Grenze unterwegs sind. Geschleift – also eingeebnet, alle Menschen deportiert, die Häuser abgerissen, auch die Kirche. In Billmuthausen erinnern Informationstafeln an dieses Schicksal, das etwa 30 Dörfer im ehemaligen Sperrgebiet zwischen der BRD und der DDR wiederfuhr. So wird der Radurlaub auf dem südlichen Teil der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze zum historischen Anschauungsunterricht. Die gut 700 Kilometer vom Dreiländereck Bayern/Sachsen/Tschechische Republik bis in den Harz konfrontieren die Deutschen mit ihrer jüngsten Vergangenheit.

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Anfang meiner Reportage "Geschichtsunterricht inklusive" über eine Radreise an der ehemaligen innerdeutschen Grenze

 

Natur-Reportage

"Es sind Extrembedingungen für den kleinen Parson Russell Terrier. Kaum ein Lüftchen weht, und das abgeerntete Maisfeld ist voller dicker Stängel und hat eine Untersaat aus Gras. Wird der Hund hier finden, was er finden soll?

Der braun-weiß gescheckte Vierbeiner heißt Fina und ist eine „Sie“. Ihr Job: tote Fledermäuse suchen. Heute befindet Fina sich im Training, denn Besitzerin Kerstin Pankoke aus Heber übt noch für den ersten echten Einsatz mit ihr. Der kleine Terrier soll ihr bei der Arbeit helfen. Kerstin Pankoke ist Fledermaus-Gutachterin, und zu ihren Aufträgen gehört bisweilen auch, unter Windrädern nach Schlagopfern zu suchen – also nach Fledermäusen, die durch die Rotoren der Windräder zu Tode gekommen sind. „Hunde finden die Schlagopfer in jedem Fall besser als Menschen“, sagt nicht nur sie, sondern bestätigen auch internationale Studien und Gutachter-Kollegen.

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Anfang meiner Reportage "Vier Pfoten im Gutachter-Einsatz" über Fledermaussuchhunde

Glosse

"Wenn es ginge, ich würde mein Gehirn, dieses nutzlose Organ, irgendwo aussetzen. Es erinnert sich nicht mehr an Dinge, die es sich merken soll, kaum dass es mit anderen Sachen beschäftigt ist. Deswegen wäre letztens fast meine ganze Küche ausgebrannt.

Mal ehrlich, es muss doch einem normalen Gehirn zuzumuten sein, dass es sich 20 Minuten, nachdem die Kartoffeln angefangen haben zu kochen, daran erinnert, dass man mal nachschauen sollte, ob die schon gar sind. Aber nein, da muss erst die Nase helfen. Ungefähr 60 Minuten nach dem Kartoffeln aufsetzen signalisiert sie, dass da in der Küche irgendwas nicht in Ordnung ist. Beine müssen rennen, nur weil das Gehirn gepennt hat, Arme müssen millimeterdickes, schwarzes Angebranntes aus den Töpfen schrubben, nur, weil das Gehirn mit etwas anderem beschäftigt war.

Auch beim Zuklappen der Autotür ist es, als wäre dieses Geräusch auch der Aus-Schalter fürs Hirn. Dass man dringend tanken muss und am nächsten Morgen etwas früher aus dem Haus gehen sollte, dass man, wenn der Wagen eine Weile gestanden hat, nochmal den Ölstand kontrollieren wollte – das Hirn denkt beim Ausschalten des Motors dran und beim Zuklappen der Tür ist der Gedanke verloren. Er kommt erst wieder am nächsten Morgen beim Blick auf die Tanknadel, oder wenn die Ölleuchte plötzlich angeht. Ach ja, denkt das Hirn. Da war was.

Ich verlasse mich jetzt nur noch auf Technik. Erinnerungen im E-Mail-Programm für die Kartoffeln und den Ölstand und außerdem Handy-Speicher für Telefonnummern, Navigationsgeräte gegen Orientierungsmangel, das Piepen der Mikrowelle, wenn Warmgemachtes fertig ist. Mein Gehirn hat mit all diesen Erinnerungsdingen einfach nichts im Sinn, dieser Tatsache muss ins Auge gesehen werden. Technik, das ist die Lösung.

So weit so gut.  Wäre da nicht die Sache mit dem Rauchmelder. Der nämlich reagierte genauso wenig auf die verqualmte Küche und die angebrannten Kartoffeln wie mein Gehirn. Meine Nase war besser als diese Sicherheitstechnik, die angeblich schon so vielen Menschen das Leben gerettet hat. Wann hätte der Rauchmelder sich zu Wort gemeldet? Wieso schlug er nicht Alarm? Wieso strengte er sich nicht an, mein Leben frühzeitig zu retten?

In so einem Rauchmelder muss ein Gehirn stecken. Genauso eines wie meins."

Editorial für den Wümme Kurier.